Medienförderung in Österreich vor dem Umbau: Welche Chancen sich für Podcasts eröffnen

Österreich reformiert seine Medienförderung schrittweise bis 2028 – und erstmals werden „neue digitale Formate" explizit als förderwürdig genannt.

Felix Keiser

7/21/20262 min read

Die österreichische Medienförderung steht vor der größten Reform seit Jahren. Grundlage dafür ist die Studie „Journalismusförderung in Österreich" von Medienforscher Andy Kaltenbrunner, die Vizekanzler und Medienminister Andreas Babler am 16. April 2026 präsentierte. Sie attestiert dem bestehenden System, vor allem etablierte Marktstrukturen abgesichert zu haben, statt Qualität und Vielfalt gezielt zu fördern.

Was die Studie vorschlägt

Kernidee der Reform ist eine automatische Basisförderung für alle journalistischen Medien, die Journalist:innen beschäftigen und redaktionelle Leistung erbringen – „unabhängig davon, ob sie im Print, Online, Rundfunk oder in neuen digitalen Formaten erscheinen", wie es in der Studie explizit heißt. Ergänzt wird das um einen Bonus für digitale Abo-Erlöse sowie ein Wettbewerbsverfahren für Innovationsprojekte. Über die Vergabe soll ab 2028 eine unabhängige Journalismusförderkommission entscheiden.

Der erste konkrete Schritt: das Medienpaket vom 20. Juli 2026

Babler, ÖVP-Klubobmann Ernst Gödl und NEOS-Abgeordnete Henrike Brandstötter präsentierten am 20.07.2026 die ersten konkreten Maßnahmen:
22,5 Millionen Euro jährlich für 2027 und 2028 fließen in die Zeitungszustellförderung, ebenso viel in einen Fonds für digitale Transformation – wobei die Mindestbemessungsgrundlage auf 100.000 Euro gesenkt wird, damit auch kleinere und nichtkommerzielle Medienunternehmen leichter Zugang erhalten. Zusätzlich stehen 10 Millionen Euro für Medienkompetenz bereit, davon 7 Millionen über den neuen Fördercall „Young Media" für journalistische Jugendformate.


Was bedeutet das für Podcasts?

Bislang existiert für Podcasts eine eigene, vergleichsweise kleine Förderschiene: die RTR-Förderung nach § 25a KommAustria-Gesetz mit einem Jahresbudget von 500.000 Euro, bis zu 50 Prozent Kostenzuschuss und einer Obergrenze von 50.000 Euro für laufende bzw. 25.000 Euro für abgeschlossene Podcast-Serien. Die Nachfrage ist hoch: Laut RTR waren die Mittel für 2026 bereits im Dezember 2025 zu rund 80 Prozent ausgeschöpft.
Die explizite Erwähnung „neuer digitaler Formate" in der Reformstudie sowie die gesenkte Förderschwelle für den Digitalisierungsfonds könnten Podcast-Netzwerken, die redaktionell arbeiten und Journalist:innen beschäftigen, künftig auch Zugang zur größeren, allgemeinen Journalismusförderung eröffnen – zusätzlich zur bestehenden, spezifischen Podcast-Förderung.

Wie genau beide Systeme ab 2028 zusammenspielen sollen, ist Teil einer Debatte, die auch innerhalb der Podcast-Branche selbst geführt wird.

Quellen:

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